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Der ewige Trusewicz

Vom 23. bis 26. Mai 2019 weilten wir nun schon zum zehnten Mal zum Freundschaftsbesuch in Wschowa. Diesmal wurde das Kontingent ausgeschöpft, 12 SpielerInnen waren mit in Polen, u.a. der gesamte Vorstand. Als letzter sprang unser alter Freund Achim Wiegand aus Mecklenburg-Vorpommern noch auf den Zug, das Wiedersehen wurde gefeiert, denn seit Achims Rückkehr in die Heimat sind schon wieder einige Jahre vergangen.

 Erneut waren wir im Objekt ,, MAGDA“ in Brenno am Weißen See untergebracht. Trotz langer Anfahrt und entsprechendem Kräfteschwund wollten wir endlich mal das abendliche Blitzturnier gewinnen, und zwei Runden vor Schluß sah Tom auch wie der sichere Sieger aus, vergaß aber dann gegen Eryk Szepe in Gewinnstellung die Zeit und verlor in der letzten Runde gegen Grzegorz Ograbek. So zog Janusz Trusewicz noch vorbei und gewann mit einem halben Punkt Vorsprung. Scheinbar können wir spielen wie wir wollen, am Ende ist Janusz immer vorn ! Diesmal konnte er es selbst kaum fassen.

 Bei seinem ersten Aufenthalt in Wschowa schlug sich Simon mit 5 aus 13 sehr gut. Noch ein Punkt mehr gelang Gabi Schönrock, die an sich gar nicht so für’s Blitzen ist. Aber in dieser Form wäre auch mal ein Auftritt beim Mampfe-Blitz angebracht.

 Nach einem freien Vormittag mit Bad im See fuhren wir am traditionell schachfreien Freitag mit Andrzej Czyż und Mateusz Jaworski in die Gegend südlich von Poznań. In der Kleinstadt Kórnik bekamen wir nach einem köstlichen Essen im Restaurant ,, Hektor“ eine interessante Führung durch das Schloß aus dem 15. Jahrhundert und konnten anschließend durch das benachbarte Arboretum mit vielen imposanten alten Bäumen und schöner Rhododendronblüte wandeln. Einige konnten damit nichts anfangen und tendierten schnell wieder Richtung Ausgang. Andere genossen die Stille zwischen den Baumriesen oder hatten sogar die seltene Gelegenheit, eine Ringelnatter beim Verschlingen eines Frosches zu beobachten.

 Nach dem Abendbrot im ,,MAGDA“ klang der Abend bei diversen geistigen Getränken mit einer Skatrunde und ein paar Runden Schweinetreiben aus. Nach verlorenen Spielen mußte Gabi am nächsten Tag 100 (!) Meter in den kalten See hinausschwimmen und Andre‘ sage und schreibe 1 Minute mit den Füßen ins Wasser!

 Am Sonnabend folgte wie gewohnt die Härte eines 11-rundigen Schnellturniers im Gymnasium ,,Johannes Paul II.“ in Wschowa. Bei nicht ganz so hochklassiger Besetzung wie in früheren Jahren war durchaus die Chance auf eine vordere Platzierung vorhanden. Aber daraus wurde letzten Endes nichts, denn Tom ließ – allerdings bei stärkster Gegnerschaft – vor allem mit schwarz einige gute Gelegenheiten aus, mehr Punkte zu holen und landete ebenso wie Janusz und Dirk mit 6,5 aus 11 im geschlagenen Feld. Peter dagegen konnte mit schwarz seinen letzten Gegner schlagen und machte mit 7 Punkten noch einen Sprung nach vorn auf den respektablen 9. Platz. Damit war er bester Merseburger. Auch für Thomas war noch mehr drin, obwohl er mit ebenfalls 6,5 aus 11 gegen starke Konkurrenz durchaus zufrieden sein konnte. Bester Wschowaer wurde diesmal Altmeister Grzegorz Ograbek, dicht vor den punktgleichen Andrzej Czyż und Arkadiusz Klonowski (je 7 aus 11). Die übrigen Merseburger Spieler zeigten alle passable Ergebnisse bis auf Andre‘, der unter seinen Möglichkeiten blieb. Dafür gelang Gabi wie schon am Vortag ein gutes Turnier : wieder 6 Punkte !

 Nach dem leckeren Abendessen in der Gaststätte ,,Wschowianka“ hatten wir noch einen langen Abend mit vielen alten Geschichten und guter Musik.

 Traditionell am Abschlußtag kam es zum Mannschaftskampf an 12 Brettern. Erstmals spielten wir nicht im Kulturhaus, weil dieses als Wahllokal zur Europawahl diente. Dieses Problem hatten wir mit der Mampfe vor einigen Jahren auch schon. Aber das besagte Restaurant ,,Wschowianka“ bot sehr gute Bedingungen, und nach hartem Kampf waren es nur wenige Meter in den Nachbarraum zum Abschlußessen.

 Als Zuschauer konnten wir u.a. unseren alten Freund Tadeusz Kołosionek begrüßen, der damals vor rund 20 Jahren erste Kontakte mit uns geknüpft hatte. Bei Wschowa fehlte Mateusz wegen privater Verpflichtungen, und Jarek Mierżyński spielt inzwischen für Wolsztyn. Dennoch konnten unsere Gastgeber eine starke Mannschaft aufbieten. Da sich die vorderen Bretter in den letzten Jahren oft neutralisierten, war man vor allem auf den Ausgang an den Brettern 7 – 12 gespannt. Aber diesmal lief es gut für uns. Die jungen Brüder Walkowski, die 2 Jahre zuvor noch klar gewonnen hatten, griffen diesmal fehl. Jonasz nahm in einem Franzosen in unterentwickelter Stellung die Bauern d4 und e5 raus, was Andre‘ schön ausnutzen und einen raschen Sieg davontragen konnte. Gegen den jüngeren Bruder Tobiasz hatte unser Haudegen Wolfram keine Mühe, im Königsangriff erst mehrere Bauern und schließlich eine Figur einzusammeln. So stand es nach Kurzremisen an den Brettern 2 und 4 zwischen Grzegorz und Peter sowie Eryk und Ronny und einer raschen Niederlage von Achim gegen Dominik eine Zeit lang 2 : 3 für uns. Thomas und Dirk standen gedrängt, während Simon mit einer Gabel und Tom mit einer subtilen Kombination jeweils mit schwarz ihren Gegnern Artur und Janusz  die Qualität abluchsen konnten. Nach mehreren Ungenauigkeiten von Paweł gewann Lisa ihre Schwarzpartie mit sicherem Spiel. Gabi hatte Vorteil, willigte aber bei unübersichtlicher Stellung ins Remis ein, während Carsten seine gute Position ausbaute und schließlich im Endspiel gewann. Simon versuchte alles, aber Artur hielt den Laden zusammen und erreichte den Remishafen. Janusz glückte dies nicht, Toms Doppelturm setzte sich am Ende gegen Turm und Springer durch. So stand es bereits 3 : 7, als Thomas nach turbulentem Verlauf ein schlechteres Endspiel gegen Arek verlor und Dirk im Doppelturmendspiel bei scheinbar gebannter Gefahr und Remistendenz in Andrzejs Mattnetz lief.

 Es resultierte ein knapper, aber dem Verlauf nach verdienter Auswärtssieg von 5 : 7, auch mal wieder schön nach zuletzt einigen deutlichen Niederlagen in Wschowa. Janusz verlor im 19. Duell der beiden Mannschaften zum ersten Mal, wobei er immer dabei war! Bei Gelegenheit sehen wir nochmal nach, wer bisher alles ungeschlagen blieb.

Hetman Wschowa               -                  SV Merseburg

Janusz Trusewicz                0 : 1            Thomas Hartung

Grzegorz Ograbek                     ½                Peter Burghardt

Andrzej Czyż                        1 : 0           Dirk Wildenrath

Eryk Szepe                             ½              Ronny Wiegand

Arkadiusz Klonowski                 1 : 0          Thomas Richter

Jonasz Walkowski               0 : 1            Andre’ Schmerbach

Dominik Krawiec                  1 : 0           Achim Wiegand

Sławomir Grining                 0 : 1           Carsten Suhl

Paweł Kachel                        0 : 1           Lisa Marschall

Mariusz Stecyk                     ½                Gabriele Schönrock

Artur Pilarowski                   ½                Simon Donath

Tobiasz Walkowski                   0 : 1           Wolfram Richardt

                                               5 : 7

 Wieder war die Zeit in Wschowa schnell verflogen, und wieder sind wir um ein paar Erinnerungen reicher. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit unserer polnischen Freunde war wieder sehr wohltuend. Ohne die Sprachbarriere könnte man sicher noch viel Interessantes erfahren. Dennoch ist die Fahrt in unser Nachbarland immer ein Erlebnis.

 Auf Wiedersehen bei unserem 20. Treffen 2020 in Merseburg!