Nachdem die Punktspielsaison bei den Männern schon seit Anfang April abgeschlossen war, musste die Jugend am 27.6. bzw. 28.6. nochmal an die Bretter zurückkehren. Der späte Termin kam dadurch zustande, dass die Doppelrunde in Magdeburg am 10.1./11.1. aufgrund des akuten Wintereinbruchs in Verbindung mit schlechten Sichtverhältnissen und Eis auf den Straßen die Anreise vieler Mannschaften, speziell aus dem Norden Deutschlands, verhinderte. Folglich kämpften wir nun nicht bei -5 °C sondern bei fast +40 °C um den Klassenerhalt.
Bereits im Januar hatten wir erhebliche Besetzungssorgen, da unter anderem auch viele Stammspieler gesundheitlich angeschlagen waren. Im Juni wurde das Problem allerdings nicht besser, weil just an diesem Wochenende ein Abiball stattfinden sollte, weshalb Matthias gar nicht und Max nur samstags erscheinen konnte. Etwa eine halbe Woche vor dem Spieltermin sagte auch noch Sascha ab, da dessen Eltern in Anbetracht der hohen Temperaturen ihre Bedenken äußerten. Dies führte dazu, dass wir am Samstag gegen Rochade Braunschweig nur zu fünft antreten konnten.
Zeitz gegen Braunschweig (Samstag, 27.06.2026)
Wir ließen also das 4. Brett frei, um noch eventuelle Außenseiterchancen zu erhöhen. Dies sollte allerdings nicht allzu viel bewirken.
Ich spielte an Brett 1 gegen Jonas Bangert und hielt im Königsinder mit Schwarz lange ungefähren Ausgleich, bis ich mit drei schlechten Zügen hintereinander die Partie komplett an die Wand fuhr. Johannes erging es ähnlich. Dieser kam gut aus der Eröffnung, da sein Gegner, Anton Jüttner, sich im Traxler-Gegenangriff nicht so gut auszukennen schien. Folglich ergab sich an Brett 3 sogar ein leichter schwarzer Vorteil zu unseren Gunsten. Jener nahm jedoch im Verlaufe der Partie ab, bis er sogar umschlug, wovon sich Johannes nicht mehr erholte.
Zum ersten Mal in dieser Saison war Trajan Altmann mit von der Partie, der sonst aufgrund vielfältiger Verpflichtungen nur selten ans Brett kommt. Damit wurde er aber auch sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen, da er direkt am fünften Brett gegen Julius Freimuth antreten musste, der mit seinen knapp 1950 DWZ doch relativ weit unten gesetzt war. Der Klassenunterschied und die fehlende Praxis machten sich dann auch relativ schnell bemerkbar (auch, da Trajan zwischenzeitlich Probleme mit dem aufschreiben von Zügen hatte). Weiß gelang relativ schnell in Vorteil, behielt diesen in großen Teilen der Partie und münzte ihn in einen vollen Punkt um.
Ein ebenfalls seltener, allerdings gern gesehener, Gast ist Til Burgold. Er kam bereits gegen den 1. SC Anhalt zum Einsatz und remisierte im Großen und Ganzen doch recht sicher. Sein Gegner Erik Heithecker war jedoch schwer einzuschätzen, weil bei ihm noch keine DWZ zu Buche steht. Auch bei Til fehlt wahrscheinlich noch etwas Erfahrung, da er sich bereits zu Beginn doppelte f-Bauern, um einen Bauern auf d4 gedeckt zu halten, welcher jedoch vom Springer auf f6 nie angegriffen war. Da sich jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits ein schwarzer Angriff am Damenflügel herauskristallisierte, verblieb der weiße Monarch in der Mitte des Brettes. In der Folge reichte die halboffene g-Linie als Kompensation nicht aus und es war der gegnerischen Übermacht nichts entgegenzusetzen.
Es stand nun also 5 zu 0 gegen uns. Zum Glück hatten wir an Brett 2 noch unseren zwischenzeitlich stärksten Spieler, Goscha, sitzen. Dieser kam mit Weiß gut aus der Eröffnung kam dann jedoch nach und nach in latente Zeitnot. Da sein Gegner Furkan Ay dann aber scheinbar auf Goschas Zeit spielen wollte, gelang es Letzterem eine Qualität zu erobern. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Nerven der Kiebitze bereits blank, da der Anziehende nur noch auf Inkrement lebte und schon mehrmals mit wenigen Sekunden Restzeit zog (darunter auch zwei mal mit einer Sekunde). Schlussendlich hatte Goscha zwar einen Springer gegen einen Bauern mehr, diese hoben sich allerdings auf, da der Mehrbauer von Schwarz die Leichtfigur als Freibauer auf der a-Linie einspannte, während der König sich um die Deckung der eigenen Bauern auf f2 und g3 bemühte. Schließlich endete die Partie dann in einem Patt:
In der heimischen Analyse stellte sich dann heraus, dass inmitten der Zeitnotschlacht für zwei Züge ein Gewinn möglich gewesen wäre, welcher aber mit unter einer Minute auf der Uhr für unsereins nicht zu berechnen war.
Insgesamt hatten wir also 0,5 zu 5,5 verloren, was bedeutete, dass Braunschweig für uns nun uneinholbar war. Unsere letzte Hoffnung bestand nun darin, den USC Magdeburg hinter uns zu lassen. Dies wurde jedoch durch unser Ergebnis erschwert. Wir hatten nunmehr nur noch einen halben Brettpunkt Vorsprung, den es zu verteidigen galt.
Hagen gegen Zeitz (Sonntag, 28.06.2026)
Nach der vernichtenden Niederlage gegen Braunschweig stellte sich heraus, dass unser drittes Brett, Johannes, mit der Hitze zu kämpfen hatte. In Absprache mit den Erziehungsberechtigten blieb für ihn nur die Heimreise als Option. Da auch Trajan aufgrund schulischer Verpflichtungen nur für den Samstag eingeplant war und wir am Sonntag nur durch Max verstärkt werden konnten, traten wir am Sonntag mit nur vier von sechs Brettern an. Für Thomas Richter als Betreuer, der ganzen Mannschaft im Abstiegskampf und mich als Mannschaftsleiter ein erheblicher Rückschlag, welcher nicht gerade für Motivation in den eigenen Reihen sorgte.
Wir entschieden uns das beste aus der Situation zu machen und zumindest nicht frühzeitig komplett aufzugeben. Immerhin bräuchten wir nur Schützenhilfe von Braunschweig und ein paar Brettpunkte, um die Klasse zu halten. Leider war Ersteres nur in geminderter Form zu erwarten, da Braunschweig, wie wir gestern, nur zu fünft antrat. Dies hatte zur Folge, dass wir nun mindestens 2 Brettpunkte holen müssten.
Meine Partie ist schnell zusammengefasst. Ich trat mit Weiß gegen Oguzhan Direk in einem Sizilianer an. Meine Eröffnungskenntnisse ließen zu wünschen übrig, weshalb ich relativ früh die Zugreihenfolge verwechselte. Das verwirrte scheinbar auch meinen Gegner, wodurch ich in Zug 10 mit einem strategischen Qualitätsopfer deutlichen Vorteil hätte erlangen können. Diese hatte ich allerdings noch nicht in Betracht gezogen, weshalb sich der Vorteil meines Kontrahenten festigte. In der Folge spielte ich bei relativ dynamischer Stellung zu langsam und wurde am Damenflügel überrollt und baldig mattgesetzt.
Goscha spielte an Brett 2 wieder einmal bis zuletzt. Er „opferte“ frühzeitig eine Figur für zwei bis drei Bauern und konnte so eine gewisse Dysbalance schaffen, welche ihm ein Spiel auf drei Ergebnisse ermöglichte. Dies war angesichts der Gesamtsituation auch nötig. Am Ende der Partie hätte unser Topperformer der Wochenendes sicher auch noch auf Sieg spielen können. Dies wäre allerdings vergebene Liebesmüh gewesen, da die anderen Ergebnisse bereits unseren Abstieg bedeuteten.
Unsere Bretter 4 und 5 gingen nämlich, ebenso wie ihr Mannschaftsleiter an der Spitze, sang- und klanglos unter. Max Jahr an vier, hatte in der Eröffnung als Schwarzer die Entwicklung vernachlässigt und rochierte kurz. Kurz darauf öffnete sich die g-Linie und der Springer auf b8 sowie der Turm auf a8 waren bei der Verteidigung nicht gerade hilfreich. Bald folgte die Wahl zwischen erheblichem Materialverlust oder Tod. Til am vorletzten Brett geriet zu Beginn der Partie unter Druck, gegen welchen er sich nicht zu wehren vermochte. Zu guter Letzt ließ er eine Fesslung zu, durch die er eine Leichtfigur einbüßte. die ohnehin schon schlechte Stellung war nicht mehr weiter zu bespielen, weshalb die Aufgabe nicht zu vermeiden war.
Im Endeffekt verloren wir also das entscheidende Spiel abermals mit 0,5 zu 5,5, wobei wir zwei kampflose Niederlagen zu verbuchen hatten. Beim USC Magdeburg konnte am Ende nur Michael Pikalow gegen Braunschweig punkten, doch das reichte bereits für unseren Garaus. Wir stiegen mit einem Brettpunkt Rückstand ab.
Wen die genauen Ergebnisse interessieren, kann sich diese unter folgendem Link anschauen:
Saisonfazit
Wenn man die Saison in der JBLN als Ganzes betrachtet, war sie für unsere Verhältnisse nicht schlecht. Es haben uns an vielen Stellen nur halbe Brettpunkte für weitere Mannschaftspunkte gefehlt und wie bereits erwähnt insgesamt nur ein Brettpunkt zum Gleichstand mit dem USC. Vor allem in Bremen und Göttingen haben wir einige Außenseiterchancen liegen lassen. Beide Mannschaftskämpfe gingen mit 2,5 zu 3,5 verloren.
Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle Thomas Richter, welcher zusammen mit mir alles organisiert hat und immer als Fahrer bereit stand. Als Spieler möchte ich Sascha und Goscha besonders ehren. Ersterer hat mit seinen 4 aus 5 Punkten überhaupt für eine legitime Möglichkeit auf den Klassenerhalt gesorgt, auch wenn er bei der finalen Doppelendrunde verhindert war. Letzterer hat sich mit seinem durchweg soliden Spielstil auch gegen nominell stärkere Gegner durchsetzen können und war der Einzige, der gegen Braunschweig und Hagen gepunktet hat. Er sollte auf jeden Fall mehr schachliches Selbstbewusstsein haben (und auch wieder an Einzelturnieren teilnehmen).
Abschließend muss aber auch festgestellt werden, dass eine starke Saison durch die zwei letzten Spieltage kaputtgemacht wurde. Klar gab es auch einige terminliche Überschneidungen mit eben diesem Wochenende und das Wetter war extrem, dennoch mag es mir erlaubt sein die Moral bzw. den Teamgeist einiger anzuzweifeln. Ich persönlich finde es respektlos und unhöflich gegenüber denen, die präsent, wenn man seine Mannschaft, für die man sich selbst hat aufstellen lassen, in den wichtigsten und entscheidenden Momenten im Stich lässt. Um ehrlich zu sein habe ich den Frust über dieses letzte Wochenende immer noch nicht ganz überwunden und ich weiß aus erster Hand, dass es anderen auch so geht. Ich habe viele schöne Erinnerungen in dieser Saison gesammelt und bin auch insgesamt glücklich darüber, das „Experiment Jugendbundesliga“ gewagt zu haben, jedoch bin ich auch froh darüber nicht mehr mit dem Stress, welcher mit dem Mannschaftsleiterposten einher geht, leben zu müssen.
Um aber nicht mit einer negativen Botschaft zu enden, wünsche ich allen eine schöne neue Saison, viel Stellungsglück und bedanke mich bei allen, die diesen kleinen Bericht bis zum Ende gelesen haben!