Man kann unserem Verein vieles vorwerfen, berechenbar sind wir jedoch nicht. Wie es bereits üblich ist, hatten wir auch in dieser Saison am 1. Spieltag Besetzungssorgen. Bereits 2 Monate vor Beginn war klar, dass uns wichtige Leute fehlen würden, unter anderem die Mannschaftsleiter der 1. (Tobias Richter) und der 2. Mannschaft (Dirk Wildenrath). Aufgrund der Umstände musste ich dann die Pflichten von Tobias übernehmen. Glücklicherweise sagten spontan doch noch zwei Spieler zu, sodass wir wider Erwarten vollzählig antreten konnten. So ergab es sich, dass wir im Unterhaus mit 4 Frauen spielten, was uns traditionell oft aus der Patsche geholfen hat.
Wie sich in der letzten Spielzeit gezeigt hatte, ist Reideburg eine schwer zu bespielende Mannschaft, vor allem im Oberhaus. Folglich war unser Plan, an den vorderen Brettern so gut es geht mitzuhalten, und hinten die gewinnbringenden Punkte zu holen.
Da beide „Thomase“ nicht konnten, musste ich am ersten Brett mit Schwarz gegen Benedikt Weber ran, welcher in der vorangegangenen Saison starke 7 aus 8 holte. Leider vertat ich mich im Zwei-Springer Caro-Kann in der Zugreihenfolge und geriet ins Hintertreffen. Dann opferte ich etwas übereilt eine Figur, um meiner Passivität zu entfliehen und hätte sogar einen Zug lang wieder ausgleichen können. Später kam es zur interessanten Konstellation 2 Türme + Läufer gegen Turm + Läufer + 5 Bauern. Leider fielen dann nach und nach meine Bauern, sodass ich alsbald aufgeben musste.
An Brett 2 kam es zum Kampf zwischen unserem Jugendspieler Oleksandr alias Sascha und Arne Christian Seidel. Auch diese Partie schien lange wie ein Spiel auf ein Tor, war jedoch stets komplex und rechnerisch anspruchsvoll. Sascha erlaubte sich in der Eröffnung zu viele Bauernzüge und opferte selbige Bauern dann auch etwas zu freizügig. Der König verblieb deshalb in Mitte und musste manuell nach g1 befördert werden. Eines der vielen Probleme in der weißen Stellung war allerdings, dass sich der Turm immer noch auf h1 befand und nun nicht mehr am Spiel teilnahm. Glücklicherweise schlug das Pendel dann noch zu unseren Gunsten um, indem Arne erst eine Qualität und drei Züge später auch noch einen Läufer einstellte.
Ein Brett weiter spielte Justin Schlosser gegen Dustin. Letzterer wurde scheinbar vom Smith-Morra-Gambit seines Kontrahenten überrascht und war schnell im Nachteil. Der schwarze Monarch konnte auch hier nicht in Sicherheit gebracht werden und der Läufer auf c8 sowie der Turm auf a8 fanden nicht ins Spiel, weshalb ein fataler Mattangriff folgte, der mit einer Kombination vollendet wurde. Hier die Stellung nach 22. … Kxf8 (Weiß am Zug):
Die Auflösung gibt es wie immer am Ende.
An Brett 4 traf Matthias, welcher zum Glück noch aushelfen konnte, auf Rainer Sprengel. Hier kristallisierte sich relativ schnell eine gute Stellung für die weißen Steine heraus. Dann wurden jedoch die Damen vom Brett getauscht und es verflachte dann wieder bis zum Ausgleich. Es ergab sich ein Endspiel, indem man nur gewinnen könnte, wenn man maßlos überzieht. Folgerichtig wurde sich auf Remis verständigt.
Im Oberhaus hatten wir also 1,5 zu 2,5 verloren, weshalb es nun wieder an unseren Frauen lag, die sich in der letzten Saison zum wiederholten Male in der 2. Frauenbundesliga halten konnten und am Sieg Sachsen-Anhalts bei der Frauen-Ländermeisterschaft maßgeblich mitgewirkt hatten.
Bei der Partie Thomas Schmidt gegen Mariana sah es aber lange schlecht für uns aus. Sie verlor nach kurzer Zeit eine Qualität und kämpfte lange mit ihrem Springer gegen den Turm. Doch die Hartnäckigkeit zahlte sich aus. Wahrscheinlich zermürbt vom großen Widerstand seiner Gegnerin tauschte Thomas irgendwann in ein Turmendspiel ab, was allerdings in Remisbreite war. Das wurde dann eiskalt ausgenutzt und in einen halben Punkt umgemünzt.
An Brett 6 dachte man zunächst, dass es eine trockene Spanisch-Partie wird, dem war jedoch nicht so. Nach ein wenig Eröffnungsgeplänkel griff Marcus Bergmann gegen Valeriia Schulz mehrmals fehl und kompromittierte damit seine Stellung. In der folgenden Situation fand Valeriia den besten Zug, um den entscheidenden Angriff einzuläuten. Schwarz versuchte mit 17. … Df6 zu verteidigen, doch das reicht nicht (Weiß am Zug):
Unser 7. Brett Katja war eine der beiden spontanen Meldungen, die uns dann doch noch einen Spieltag ohne freies Brett ermöglichten. Sie traf mit Schwarz auf Uwe Hentschel. Zwischenzeitlich erspielte sie sich bestimmt etwas Vorteil, weswegen sie auch das Remisangebot ihres Gegners um Zug 20 herum ausschlug. Die Stellung wurde allerdings immer ausgeglichener, weshalb in etwa eine Stunde später doch eingelenkt wurde.
Am letzten Brett konnten wir Vicky für die 1. Mannschaft gewinnen, die auch sogleich gegen Ralph Schlosser ablieferte. Auf den ersten Blick sahen ein paar ihrer Figuren zunächst deplatziert aus, dies legte sich aber mit der Zeit. Dann erspielte sie sich nach und nach Vorteil. Später setzten sich Vickys Springer durch, da die schwarzen Leichtfiguren unkoordiniert durch die Gegend wanderten. Schlussendlich wurde mit einer Taktik nach 42. … g4 der Sack zugemacht (Weiß am Zug):
Schlussendlich konnten wir also ein knappes 4,5 zu 3,5 gegen Reideburg erringen. Wir sollten immer mit 4 Frauen in der Ersten spielen. Einige Partien hätten auch gegen uns laufen können, dafür aber auch einige für uns. Am Ende gleicht sich das wahrscheinlich irgendwie aus. Es lässt sich nur hoffen, dass wir in Zukunft stabiler spielen. Hier nochmal die einzelnen Ergebnisse im Überblick:
Hiermit bedanke ich mich nochmals herzlichst bei allen, die beim Auf- und Abbau im Spiellokal geholfen haben sowohl am Punktspielsonntag, als auch beim Sparkassen-Cup am vorherigen Tag sowie bei allen, die bis hierhin gelesen haben.
Lösungen zu den Stellungen:
- Stellung: 23.Td8+! Lxd8 24.Dxd8+ Kf7 De8# bzw. 23. … Kf7 24. Le8+ Kf8/Kg8 25. Lg6+ Lxd8 26.Dxd8# 1-0
- Stellung: 18. Dh5! greift zeitgleich den Springer auf h4 an, übt weiteren Druck auf f7 aus und droht Matt auf h7. Schwarz kann nicht alles parieren.
- Stellung: 43. Sg5+! entfernt den Springer von e6, worauf der c-Bauer durchläuft. Es folgte 43. … Kg6 44. Sxe6 Td6 45. Shf4+ Kf7 46. c7 1-0

