Zum Ende der 2. Frauenbundesliga Ost stand für die Merseburgerinnen eine Doppelendrunde in Dippoldiswalde (genauer: in Paulsdorf) an. Die Saison 2025/26 verlief bisher sehr erfolgreich: Merseburg konnte den Klassenerhalt mit 6 Mannschaftspunkten aus den ersten 5 Runden bereits perfekt machen. Vor den letzten beiden Runden stand Rang 4 zu Buche, alles zwischen Platz 3 und 5 war noch realistisch.

In winterlichen Verhältnissen fuhren wir bereits am Freitag Nachmittag an. Im Verlaufe des Tages wurde klar, dass die schon länger bekannten Besetzungssorgen nun doch nicht mehr zu kompensieren waren – wir konnten lediglich mit 5 Spielerinnen anreisen und das obwohl Lisa kurzfristig am letzten Brett einsprang. Nichtsdestotrotz wollten wir die Saison ordentlich beenden und auch mit einem Brett weniger das bestmögliche Ergebnis erzielen. Als Ausgleich reisten 4 Schlachtenbummler mit, um den Spielerinnen die Aufwände neben den Brettern abzunehmen und bei der Vor- bzw. Nachbereitung der Partien sowie der Berichterstattung zu unterstützen. Den Freitagabend ließen wir (wie auch die Löberitzerinnen) im nahegelegenen Gasthaus „Paulsdorfer Hof“ ausklingen.

Ausgeruht und von Lisas/Andrés umfangreicher Frühstückstafel gestärkt wurde der Samstagvormittag vielfältig verbracht: Der Großteil der Merseburger nahm sich die Umrundung der Talsperre Malter vor, die etwas mehr als 6 km Fußweg und ca. 2 h in Anspruch nahm. Dieser Aufwand hat sich jedoch gelohnt – die gesammelten Impressionen können der nachfolgenden Galerie entnommen werden.

Zusätzlich machten wir uns mit den historischen Begebenheiten von Dippoldiswalde und somit auch mit der Namensherkunft des Ortes vertraut: Dieser geht der Dippoldsage nach auf den frommen Einsiedler Dippold zurück, der im Mittelalter über ein Jahrzehnt in den nahegelegenen Wäldern gelebt haben soll. Er wurde nach einigen Jahren von einer Vielzahl an Menschen aufgesucht, die sich von ihm taufen lassen wollten. Ihm zu Ehren wurde eine Kapelle errichtet, in deren Nähe mit Beginn des Bergbaus nach und nach die nach ihm benannte Siedlung (und spätere Stadt) Dippoldiswalde erbaut wurde. Die offizielle Chronik der Stadt kann für weitere Informationen hinzugezogen werden.

Parallel verbrachten die restlichen MerseburgerInnen die Zeit entweder in der gebuchten Ferienwohnung oder fuhren nach Dippoldiswalde, um Verpflegung für den restlichen Aufenthalt einzukaufen. Susi reiste als Einzige erst am Samstag an und traf pünktlich zum von André zubereiteten Mittagessen ein.

SZ Seeblick Dippoldiswalde – SV Merseburg

Die Ansetzung am Samstag sah Spitzenreiter & Gastgeber SZ Seeblick Dippoldiswalde vor. Die ehemals fast ausschließlich von Familie Peglau gestellte Frauenmannschaft wurde mittlerweile durch mehrere Titelträgerinnen verstärkt, sodass sie an lediglich einem Brett weniger als 150 Elo-Punkte Vorsprung hatten. Dementsprechend unwahrscheinlich waren Mannschaftspunkte nach dem 0:1 (bzw. -:+) an Brett 1.

Die Ergebnisse an den Brettern 5 & 6 bekräftigten die nominelle Überlegenheit: Die rettende Variante im Königsangriff gegen Susann konnte erst in der gemeinsamen Analyse ausfindig gemacht werden. Lisas Gegnerin übernahm nicht nur das Zentrum, sondern schob die dort beheimateten Bauern auch unnachgiebig zum Sieg. Es folgten 2 Punkteteilungen: Die von Valeriia war klar leistungsgerecht, da die Partie nie die Remisbreite verließ. Im Gegensatz dazu war der Verlauf bei Mariana um einiges spektakulärer: Bei heterogenen Rochaden steckte ihre Gegnerin zunächst einen Bauern ins Geschäft, um die Merseburger Figuren zu deaktivieren & eine halboffene Linie zum gegnerischen König zu erhalten. In der Folge war Mariana um Initiative auf der anderen Seite bemüht, musste hierbei jedoch ungewollt eine Qualität abgeben. Der Gewinnweg war für Dippoldiswalde jedoch nicht so ganz trivial, sodass Mariana das Remisangebot beim Stand von 3,5:0,5 dankend annahm.

Die Erfolgsgeschichte des Abends spielte sich an Brett 2 ab. Tanja wurde sehr früh aus der Vorbereitung gebracht und es entstand eine geschlossene Stellung, in der die schwarzen Steine mit Raumnachteil zu kämpfen hatten. Dennoch gelang es Tanja bei heterogenen Rochaden aktive Felder für ihre Figuren zu finden. Nach dem Abtauschen zweier Leichtfigurenpaare und dem Umgruppieren der weißen Steine suchte Weiß mit nunmehr geringer Bedenkzeit im Zentrum und dem Damenflügel nach der Entscheidung. Hierfür wurden nach dem Gewinn zweier Bauern 2 Leichtfiguren für 1 Turm investiert. Nunmehr befreit konnte Tanja selbst Drohungen aufstellen und zunehmend die Initiative ergreifen. In der nachfolgenden Stellung mit Schwarz am Zug wendte sich das Schlachtenglück entgültig zugunsten von Merseburg:

 

Weiß beantwortete 53. …Tb6 mit 54. a5? und übersah, dass der Bauer nach … Ta6 55. T1e2 Sc5 entscheidend das Brett verließ. Stattdessen wäre 55. Dd5 wohl unbequemer für Schwarz gewesen, war in beiderseitiger Zeitnot natürlich nur schwer zu finden bzw. zu berechnen. Nach 56. Te7 setzte Tanja folgerichtig matt (… Dxa5+ 57. Kb2 Da1+ 58. Kc2 Ta2#). Bravo!

Somit erspielte sich Merseburg zwar keinen Mannschaftspunkt, aber zu fünft immerhin ein 2:4 gegen nominell ausschließlich höher gewertete Gegnerinnen!

Den Samstagabend verbrachten wir erneut im Paulsdorfer Hof, allerdings verblieben wir diesmal nicht ganz so lange, da die letzte Runde bereits um 9 Uhr beginnen sollte…

SV Merseburg – SG GW Dresden

In dieser saß mit der SG GW Dresden die direkte Konkurrenz (Rang 3, 1 Mannschaftspunkt mehr) gegenüber. Dieses Mal ließen wir das Brett 4 frei.

Aufällig war zunächst der frühe materielle Nachteil auf Brett 6. Hier hatte Dresden offensichtlich Probleme mit der Verwertung, sodass massig Bedenkzeit investiert werden musste. Zudem kämpfte sich Lisa stark zurück und kreierte Gegenspiel mit Freibauern. Dieses veranlasste ihre Gegnerin (mittlerweile in Zeitnot) zu einem Remisangebot, welches umgehend angenommen wurde. Tanja deckte ihre einzige Schwäche in einer eher geschlossenen Stellung ab und erschuf Gegenspiel am Königsflügel. Dieses Mal sollte es schlussendlich jedoch nicht für den ganzen Punkt reichen. Nachfolgend gingen die Partien an Brett 2 und 5 verlustig. Besonders unglücklich war die Zeitüberschreitung von Valeriia nach überstandener gefährlicher Initiative. Den Schlusspunkt zum 1,5:4,5 setzte Mariana mit einem weiteren Remis, nachdem ihr erstes Angebot zuvor abgelehnt wurde.

 

Alles in allem hat sich die Merseburger Frauenmannschaft in Unterzahl teuer verkauft und einige Brettpunkte einbehalten. In der Endtabelle befindet man sich wie 2024/25 auf einem leistungsgerechten 5. Tabellenplatz und war zu keinem Zeitpunkt abstiegsgefährdet.

Voller Spannung verfolgten die Schlachtenbummler in der finalen Runde das parallel ausgetragene Spitzenduell SG 1871 Löberitz – SZ Seeblick Dippoldiswalde um den Aufstieg in die Frauenbundesliga. Beide Mannschaften waren punktgleich in der Erstwertung, jedoch hatten die Gastgeberinnen klaren Vorteil in der Zweitwertung. Dieser erwies sich als entscheidend, da man sich vollends ausgekämpft 3:3 trennte.

Nach aktuellem Stand steigt Dippoldiswalde also in die Frauenbundesliga auf. Die Abstiegsplätze 7 & 8 belegten SC Leipzig-Lindenau (erst in der Drittwertung SC Rochade Zeulenroda unterlegen!) und USG Chemnitz. Da erfahrungsgemäß nicht alle Mannschaften ihr Aufstiegsrecht wahrnehmen, darf gespannt sein, wie sich die Staffel 2026/27 zusammensetzt.

Ich danke allen mitgereisten MerseburgerInnen für das schöne Wochenende und wünsche schon jetzt maximalen Erfolg in der 2. Frauenbundesliga Ost 2026/27!