Gestern empfingen wir die Schachfreunde aus Hettstedt in der Mampfe. Diese spielen als Aufsteiger eine gute Saison und profitieren insbesondere von den hervorragenden Ergebnissen ihres Oberhauses. Mit einem Sieg konnten die Hettstedter den Klassenerhalt perfekt machen. Wir hingegen konnten mit 2 zusätzlichen Mannschaftspunkten auf eine Minimalchance auf Platz 1 hoffen.
Leider erfuhren wir erst wenige Minuten vor dem Start der Runde, dass Johannes nicht erscheinen wird. Da lief etwas mit der Kommunikation schief – ggf. hätte man noch Ersatz organisieren können… So verblieb Hettstedt mit dem Extrapunkt (0:1).
Am zweiten Brett hielt Dustin an dem in der Eröffnung eroberten Bauern fest. Bei meinen Rundgängen wirkte seine Position gefestigt & daher vorteilhaft. Im späteren Verlauf ging jedoch entscheidend Material abhanden & der volle Punkt nach Hettstedt (0:2).
Am Spitzenbrett durfte Simon Aaron beschäftigen. Letzterer spielte erwartungsgemäß unnachgiebig auf den vollen Punkt. Simon schaffte es jedoch die Stellung lange in der Waage zu halten, fand schlussendlich doch nicht immer die bestmögliche Fortsetzung. In schlechterer Stellung nahm er mit einem vergifteten Bauer die Abkürzung zum 0:3.
Am 8. Brett bekam Matzel einen Hettstedter Nachwuchsspieler vorgesetzt. Dieser hielt dem Druck während & ausgangs der Eröffnung stand. Auch danach konnte Merseburg keinen nachhaltigen Vorteil erringen. In einem augenscheinlich ausgeglichenen Endspiel einigte man sich auf Remis (0,5:3,5).
Edeljoker Dirk durfte an Brett 6 gegen eine passive, aber schwer einnehmbare schwarze Stellung um den ganzen Punkt spielen. Während Schwarz (vom Nachbarbrett aus gesehen) die Steine umherschob, genehmigte sich Dirk zunächst das Zentrum, dann den Damenflügel & zuletzt auch noch den Königsflügel. Als kein Raum mehr zu gewinnen war wurden schwarze Schwächen geschaffen & Räume geöffnet. Der Joker stach wie erwartet (1,5:3,5).
Valeriia nahm früh Raum am Damenflügel ein & bedrängte einen der weißen Türme. Dieser zog in das Zentrum, wurde jedoch zeitnah aufgegabelt, sodass Merseburg eine Qualität gewann. Mit dem Rücken zur Wand ging Weiß nun mit einem Bauernsturm am Königsflügel in die Vollen. Dieser war nur schwer abzuwenden, sodass die Mehrqualität zurückgegeben werden musste. Es entstand ein ausgeglichenes Turmendspiel, welches nach dem Abtausch der letzten Bauern friedlich beendet wurde (2:4).
Der ML & C4 befuhren unerwarteterweise zunächst ruhige Gewässer. Der Friede sollte jedoch nicht lange währen, denn in der folgenden Stellung…
zogen dunkle Wolken auf, als der Sprengstoffexperte höchstpersönlich nach e5! dxe5 axb5 Dxa1 bxc6 zunächst eine Qualität opferte, um (nach späterem Sa4) die schwarze Dame zu fangen und zugleich die restlichen schwarzen Offiziere zu passivieren. Der ML sah …exf4! leider erst zu spät & fühlte nach Lc8 fxe5 Se8 dezent Gegenwind. In anspruchsvoller Stellung wurde jedoch Windschatten erspät & der adäquate Abtausch der bedrängten Königin erwirkt. Leider ging kurz darauf mehrzügig Material vom Brett. Selbst dem ML war es nun nicht mehr vermocht die Wogen zu glatten (2:5).
Meine Partie an Brett 7 endete kurz danach. Mir wurde statt der erwarteten ruhigen Eröffnung eine schnell entwickelte weiße Armee inkl. zügigem Hebel im Zentrum serviert. Dankenswerterweise lenkte Hettstedt in einen frühen Damentausch ein, sodass mir nunmehr ausreichend Platz für die restlichen Figuren & bequemes Spiel blieb. Ich nutzte die erstbeste Ungenauigkeit von Weiß aus, um mein Läuferpaar für eine zersplitterte Bauernstruktur zu geben. Um diese Schwäche fokussierte sich mein Spiel fortan. In der nachfolgenden Stellung entschied sich Weiß (am Zug) gegen c5! mit bodenloser Bauernstruktur aber unklarem Spiel für Schwarz.
Stattdessen wurde die Stellung mit d5? c5 geschlossen, wonach Schwarz spürbaren Vorteil genoss. Nach Abtausch der Türme wurden die weißen Läufer an die Verteidigung ihrer Infanterie gebunden. Weiß streckte die Waffen, als die Umwandlung des nunmehr freien H-Bauern nur durch ein Läuferopfer aufzuhalten war (3:5).
Gegen ein tadelloses Hettstedter Oberhaus kann man in Unterzahl schon mal 2 Mannschaftspunkte abgeben. Mit 8 Spielenden und mehr Schlachtenglück wären auch 4 oder mehr Brettpunkte möglich gewesen. So sollte es diese Saison nicht sein & Hettstedt zog an Merseburg vorbei, was dank der komfortablen Position im Mittelfeld der Liga auch kein Beinbruch ist.
Es verbleibt die Saison 2025/26 in der zentralen Doppelendrunde Mitte April in Vollbesetzung zu beenden & dem Ligaprimus ggf. noch ein Bein zu stellen.