In der sechsten Runde der Verbandsliga Sachsen-Anhalt kam es zum Duell zwischen dem Reideburger SV und dem Schachverein Merseburg – aus unserer Sicht ein richtungsweisendes Spiel.
Reideburg ging als überraschender Tabellenzweiter in den Wettkampf. Vier Siege aus fünf Spielen, einzig gegen den souveränen Spitzenreiter Naumburg Federn gelassen – eine beeindruckende Effizienz. Wir hingegen mussten nach der Niederlage gegen die junge Mannschaft von Aufbau Elbe Magdeburg einen kleinen Dämpfer hinnehmen. Entsprechend klar war die Marschroute: zurück in die Erfolgsspur.
Personell traten wir nahezu in Bestbesetzung an. Im Schnitt lagen wir um rund 100 DWZ-Punkte vor den Gastgebern. Doch wie so oft im Schach gilt: Zahlen gewinnen keine Partien – Züge schon.
Einen perfekten Start erwischte Dustin Hoffmann, der uns mit einer starken Endspielleistung gegen Marcus Bergmann in Führung brachte. Sein Gegner wählte zunächst eine sehr schnelle und ambitionierte Spielweise und erspielte sich dabei durchaus chancenreiche Momente. Allerdings ließ er durch das hohe Tempo auch einige gute Möglichkeiten aus, die Partie in eine andere Richtung zu lenken. Dustin blieb hingegen ruhig, übernahm im Endspiel die Kontrolle und verwertete seinen Vorteil souverän.
In folgender Stellung spielte Dustin stark T5c6 und die Partie wendete sich endgültig.
Kurz darauf legte Maximilian Schulz nach. Gegen Ralph Schlosser dominierte er das Zentrum und setzte seine positionellen Vorteile konsequent um. Bereits von Beginn der Partie an wurden hier die Weichen für den späteren Sieg gestellt – eine klare strategische Linie, frühzeitige Raumvorteile und stetiger Druck ließen dem Gegner kaum Entfaltungsmöglichkeiten. Am Ende krönte ein hübsches Mattbild seine überzeugende Vorstellung – 2:0 für Merseburg.
Den ersten Dämpfer mussten wir am Brett von Oleksandr Melnychenko hinnehmen. In einer eigentlich spielbaren Stellung gingen wir etwas zu sorglos mit der eigenen Königssicherheit um. Heiko Branditz brachte Springer und Dame zielstrebig in Angriffsstellung und entschied die Partie konsequent. Dennoch schmälert diese Niederlage keineswegs die insgesamt sehr gute Saison unseres jungen Spielers – eine klare Empfehlung für weitere Einsätze.
Vor der ersten großen Zeitnotphase einigten sich Thomas Hartung und Benedikt Weber auf Remis. Unsere anfänglich aktive Stellung ließ sich nicht konservieren, und Benedikt konnte seine Probleme zu leicht lösen. Insgesamt war dies eine solide, aber eher ereignisarme Partie – den Spannungspreis des Tages wird sie sicherlich nicht gewinnen.
Zu diesem Zeitpunkt sah es dennoch sehr gut für uns aus. Tobias Richter hatte zuvor ein Remisangebot abgelehnt und bewies Mut. In einer zunächst eher unangenehmen, zwischenzeitlich sogar klar schlechteren Stellung gegen Uwe Ritter kämpfte er sich Schritt für Schritt zurück und drehte die Partie zum vollen Punkt. Ehrlich gesagt sind wir es inzwischen fast schon gewohnt, dass Tobias selbst scheinbar verlorene oder zumindest sehr zweifelhafte Stellungen noch in Siege verwandeln kann – eine enorme Qualität für jede Mannschaft. Zwischenstand: 3,5:1,5 für Merseburg.
Fast zeitgleich folgte allerdings ein weiterer Rückschlag. Thomas Grieger verpasste die Gelegenheit zu aktivem Gegenspiel, mit dem vermutlich ein halber Punkt möglich gewesen wäre. In defensiver Haltung übersah er eine erste taktische Wendung – danach brach die Stellung gegen Arne Christian Seidel auseinander. Hoffentlich hat ihn seine kleine Verspätung zu Beginn des Wettkampfs am Ende nicht genau die Zeit gekostet, die für die präzisere Verteidigung notwendig gewesen wäre.
Beim Stand von 3,5:2,5 war der Mannschaftssieg noch nicht gesichert. Bei Lennard Hoffmann sah es strukturell sehr vielversprechend gegen René Kern aus. Doch in der Zeitnotphase vor dem 40. Zug – mit nur den Bonussekunden auf der Uhr – war höchste Spannung geboten.
Der Reideburger investierte noch einmal Material in einen letzten Angriff, doch nach der Zeitkontrolle verzog sich der Rauch. In objektiver Betrachtung war klar: Die Stellung war gewonnen. Mit diesem Sieg war der Mannschaftserfolg gesichert.
Für Dramatik sorgte auch die Partie von Simon Donath gegen Justin Schlosser. In einem ausgeglichenen Endspiel arbeitete er sich stark zum Gewinn – nur um dann einzügig in eine Springergabel zu laufen. Der folgende Turmverlust schien die Partie zu entscheiden. Doch Simon bewies großen Kampfgeist und verteidigte ein Endspiel mit Minusfigur erstaunlich zäh. Mit etwas Mithilfe des Gegners gelang ihm tatsächlich noch die Rettung – eine lehrreiche und nervenaufreibende Partie.
Kd6 war der Partiezug und ergab am Ende das Remis. Mit Kd5 konnte der Reideburger gewinnen.
Fazit
Am Ende gewinnen wir verdient mit 5:3. Reideburg gebührt jedoch Respekt – sie lieferten einen starken Kampf und spielten an diesem Tag, gemessen an der reinen Papierform, über ihren theoretischen Erwartungen. In der Tabelle klettern wir damit wieder auf Platz drei. Wohin die Reise am Saisonende geht, wird maßgeblich davon abhängen, wie geschlossen und stark wir in den kommenden Runden antreten können.