Nachdem wir am Valentinstag unseren ersten Sieg in der Jugendbundesliga gegen den 1.SC Anhalt geholt hatten, galt es nun sich bei der LJMM U20 in Heldrungen als SV Motor Zeitz zu beweisen. Diese fand vom 13.3. bis 15.3., wie schon so viele Jugendturniere, in der berühmt-berüchtigten Wasserburg statt. Leider war dieser Zeitraum für uns ungünstig, da Sascha (unser Punktegarant), Alex, Felix und Til verhindert waren. Folglich mussten wir in der Besetzung: Simon Donath (meine Wenigkeit), Georgiy „Goscha“ Andreyev, Johannes Thum, Max Jahr, Matthias Schwarz und Carl Mura antreten. Letzterer war sich seiner Teilnahme bei der U20 bis zum Abend der ersten Runde selbst nicht bewusst, stellte dann allerdings fest, dass wir nicht nur gescherzt hatten.

v.l.: Goscha, Johannes, Matthias, Max, Simon, Carl (für größere Darstellung klicken)

So kamen unsere ersten fünf Bretter im Torhaus unter, während Carl zusammen mit seinem Freund Roman, welcher für die U14 Bad Dürrenbergs spielte, in der eigentlichen Burg seinen Schlafplatz fand. Nach einem kleinen Abendessen begann alsbald jedoch die erste Runde gegen die Solestädter.

Uns wurde bereits vor Turnierbeginn vom gegnerischen Mannschaftsleiter, Matthias Mattke, mitgeteilt, dass sich Brett 1 und 3, Jay und Pratham Bhadarka, noch auf dem Rückweg von einer Klassenfahrt aus Prag befänden und sich deshalb ihre Ankunft leicht verspäten würde. Das akzeptierten Johannes sowie ich und nahmen die Gelegenheit wahr, uns auf dem Burggelände noch einmal die Beine zu vertreten. Kurze Zeit später startete dann auch für die Merseburger der Zeitzer Mannschaft die Runde. Ich geriet schnell in Nachteil, da ich die Eröffnung falsch behandelt hatte, konnte aber glücklicherweise das Ruder noch rumreißen und so den vollen Punkt ergattern. Als Zweites wurde tatsächlich Johannes fertig, welcher die 2:0-Führung herbeiführte. Max und Goscha wurden im Folgenden ebenfalls ihrer Favoritenrolle gerecht, weshalb der Sieg beim Stand von 4:0 schon sicher war. Allerdings wurde Matthias von seinem Gegner taktisch zerlegt und auch Carl verlor allmählich die Kontrolle sowie alsbald die Dame. Wir konnten uns also mit dem 4 zu 2 sehr zufrieden geben.

Erste Runde gegen den SV Eintracht Bad Dürrenberg (für größere Darstellung klicken)

Der „geringe“ Sieg hatte jedoch auch seinen Vorteil, da wir dadurch in der zweiten Runde nicht gegen die favorisierten Saalespringer, sondern „nur“ gegen den USC Magdeburg gelost werden würden. Ich hatte den nominell stärksten Spieler des Turniers, Christian Haubold, aufzuhalten, während hinter mir die Punkte geholt werden sollten. Mein Rolle hatte ich dann auch mit einem Remis erfüllt, ebenso holten Goscha und Johannes jeweils den vollen Punkt. Allerdings ließ Max etwas zu viel Luft an seinen König, weshalb er schlussendlich nur unter großem Materialverlust das Matt hätte verhindern können. Carl sicherte sich zunächst Raumvorteil im Zentrum und stand besser. Im Verlaufe der Partie verkomplizierte sich dies Stellung allerdings immer mehr, weshalb Carl kurze Zeit später einen Turm einstellte, 2,5:2,5. Nun lagen alle Hoffnungen auf Matthias, der aber äußerst anrüchig stand. Dann rettete er sich zu unserem Glück mit 2 Minusbauern in ein Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern und sicherte uns somit das 3 zu 3.

Zweite Runde gegen den USC Magdeburg (für größere Darstellung klicken)

Nach dem Mittagessen stand dann die gefürchtete Nachmittagsrunde gegen den 1. SC Anhalt an. Diese traten, wie schon einen Monat zuvor, ohne Luke Fathke an, würden es uns aber nicht so „leichtmachen“, wie noch in der JBL. Christopher Schröter bekam seine Revanche gegen mich mit vertauschten Farben, die zu seinen Gunsten verlief. Wenn man unsere bisherigen Duelle betrachtet, lässt sich feststellen, dass Weiß bisher nur 0,5 aus 4 geholt hat, vielleicht liegt uns der Anzugsvorteil einfach nicht so. An Brett 3 kam es zu einer taktischen Schlacht mit heterogenen Rochaden, bei der Johannes leider den Überblick verlor und mindestens eine Qualität abgeben musste, sich dies aber nicht mehr antat. Diesmal schlug hingegen unser Unterhaus vollends zu. Carl sicherte sich bereits aus der Eröffnung heraus Vorteil und verwandelte später souverän. Max erspielte sich wie so oft Initiative und vollendete unberührt. Und Matthias zauberte eine Partie auf Brett, wie man sie nur selten von ihm sieht. Erst hatte er eine Figur geopfert, um den Königsflügel des Gegners aufzureißen – ähnlich zu ganz großen Taktikern, wie Tal und Nezhmetdinov – woraufhin der entblößte Monarch inmitten des Brettes sein Ende fand, einfach nur meisterhaft! Nun lief also nur noch eine Partie, in der Goscha versuchen musste, mit 2 Minusbauern in einem Damenendspiel in den Remishafen zu gelangen. Dies verhinderte sein Gegner, Friedrich Lautenschläger, allerdings, weshalb wir uns abermals mit einem 3 zu 3 abfinden mussten.

Zu unserer Überraschung waren Arne Herter und FM Sebastian Haubold von Aufbau Elbe Magdeburg ebenfalls in Heldrungen, spielten allerdings nicht beim Turnier mit, sondern fungierten eher als eine Art schachlicher Betreuer. Letzterer hatte wie es schien jedoch kein Zimmer und kam deshalb auf uns zu, da noch ein Bett im Torhaus bei uns frei war. Folglich wurde vor dem Zapfenstreich noch ein bisschen geredet und sich mental auf den anstehenden Spitzenkampf gegen die Saalespringer Halle vorbereitet.

Nachdem wir also gefrühstückt und unser Zimmer geräumt hatten, hieß es die Favoriten in der 4. Runde zu schlagen. Halle hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch jede Runde überzeugend gewonnen, aber wir hofften auf Außenseiterchancen. Max geriet direkt zu Beginn in eine ihm unbekannte Variante, was dazu führte, dass sein König etwas Luft schnuppern konnte, dies war aber nach Aussagen seines Gegners, Johannes Knüpfer, alles noch Theorie. Alle anderen verstanden allerdings nichts mehr, ebenso scheinbar Max. Ein paar ungenaue Züge brachten ihn in Nachteil, jedoch machte auch sein Gegenspieler nicht alles richtig, sodass Max am Ende mit zwei Leichtfiguren für einen Turm die Partie abtragen konnte. An den ersten Brettern waren wir nominell unterlegen. Goscha musste Gustav Polzin bearbeiten und ich bekam es mit WFM Anastasia Voigt zu tun. Ich gab zunächst einen Bauern für vermeintliches Gegenspiel, sah jedoch eine Ressource meiner Gegnerin nicht, weshalb zu viel abgetauscht wurde. In der Folge trug Anastasia ihren Mehrbauern, trotz latenter Zeitnot, ab. Goscha erreichte mit einer leicht schlechteren Bauernstruktur ein Doppelturmendspiel, in dem er sich lang gut verteidigte. Dann fasste er aber den falschen Plan, der schlussendlich zu mehrfachem Verlust von Infanterie und der Niederlage führte. Ähnlich wie Max hatte auch Johannes eine Stellung auf dem Brett, bei der keiner mehr wusste, wer jetzt eigentlich besser steht. Zeitweise wurde der weiße Regent nur noch von einem Springer auf h2 vor der schwarzen Dame beschützt. Durch mehrere Ungenauigkeiten von Carlo Patschke, mit dem er schon öfter die Klingen kreuzte, gelang es Johannes dann doch die Überhand zu gewinnen. Carl hatte am letzten Brett eine für seine Spielstärke sehr beachtliche Taktik gesehen, welche den h-Bauern einsammelte. Leider wollte er dann etwas zu viel und erwünschte sich durch ein Opfer auf g2 Angriff. Die Initiative verflachte jedoch allmählich und ließ ihn mit einem Läufer weniger zurück. Es stand nun also 2 zu 3 gegen uns, aber an Matthias Sieg mit einem Springer für 2 Bauern schien es auch nichts mehr zu rütteln zu geben. So genial er jedoch in der dritten Runde gespielt hatte, so schlecht war seine Endspielbehandlung jetzt. Matthias ließ den gegnerischen König zu aktiv werden und verlor beinahe die eben noch sicher gewonnen geglaubte Partie. Mit ein paar Schweißperlen auf der Stirn willigte er dann ins Remis ein, was eine 2,5 zu 3,5 Niederlage zur Folge hatte.

Zum Mittagessen herrschte dann natürlich eine leicht geknickte Stimmung, da nun der Turniersieg nicht mehr möglich war. Wir hatten aber immer noch eine kleine Hoffnung auf den zweiten Platz. Dazu müssten der 1. SC Anhalt und USC Magdeburg gegeneinander 3:3 spielen und wir 6:0 gewinnen. Dann wären wir bezüglich MP mit beiden gleichauf und bei den BP vor Magdeburg sowie punktgleich mit Dessau. So wussten wir, was wir in der letzten Runde gegen die Schachzwerge Magdeburg erreichen müssten. Goschas Gegnerin, Svenja Hoffmann, war in der Eröffnung zu gierig und nahm einen Bauern nach dem anderen raus, wobei der König in der Mitte verblieb. Diesen Umstand nutzte unser 2. Brett gekonnt aus und holte so den ersten Punkt. In einer Partie nach der Runde zahlte sie es ihm allerdings mit vertauschten Farben heim, was auf jeden Fall in diesem Bericht Erwähnung finden sollte. Auch Max und Johannes kamen sehr gut aus der Eröffnung und münzten diesen Vorteil jeweils in Materialgewinn um, was folgerichtig zu zwei weiteren Punkten führte. Matthias hatte seine Schwächen aus der Vormittagsrunde scheinbar vollends abgelegt und verwandelte sicher zum 4:0. Carl überspielte seine ebenfalls noch recht junge Gegnerin und baute seinen Vorsprung immer weiter aus. Die bessere Stellung bot kaum Gegenspiel für Schwarz, weshalb bald der ganze Punkt folgte. Meine Partie war noch die spannendste, da ich mit Laura Marie Rössling die stärkste Gegenspielerin hatte. Nach einer recht ausgeglichenen Eröffnung erlangte ich etwas Oberwasser, welches aber durch ungenaue Fortsetzung wieder verebbte. Im Folgenden fand allerdings meine Gegnerin auch nicht immer die besten Züge, was mich schlussendlich zum Qualitätsgewinn führte. Wir hatten es tatsächlich geschafft – 6 zu 0!

Einzelergebnisse im Überblick (für größere Darstellung klicken)

Leider gewann der USC doch recht eindeutig mit 4,5:1,5 gegen Anhalt, weshalb das Wunder ausblieb. Jedoch hatten wir uns, trotz unserer Besetzungssorgen, mit dem Erreichen von Platz 3 gut geschlagen. Am Ende haben uns in den entscheidenden Momenten die letzten halben Punkte gefehlt. Nur einer dieser in Runde 2,3 oder 4 hätte uns den 2. Platz beschert, aber so ist es nun mal oft in Mannschaftskämpfen. Besonders möchte ich hier die Leistung von Carl hervorheben, der in jeder Runde gut überlegt hat und mit 2 aus 5 in den entscheidenden Momenten punktete. Leider blieb unsere U14, die 10. von 14 wurde, hinter den Erwartungen zurück, dazu aber vielleicht zu späterer Zeit mehr.

Endergebnis nach 5 Runden (für größere Darstellung klicken)

Wen die anderen Ergebnisse und die Details zur U14 interessieren, kann unter folgendem Link auf die Ergebnisseite des Landesschachverbands zugreifen: https://ergebnisse.schach-sachsen-anhalt.de/index.php/component/clm/?view=rangliste&saison=5&liga=225&Itemid=300&typeid=21

An dieser Stelle möchte ich auch den Organisatoren danken, wobei vor allem die Schachfreunde Aaron Gröbel, Taylor Lehmann, Dirk Michael und Martin Wechselberger zu erwähnen sind. Durch sie war eine nahezu reibungsfreie Durchführung in entspannter Atmosphäre möglich. Danke dafür!

Das nächste Spiel der U20 wird am 19.4. in Göttingen stattfinden, wo es wieder gilt, Punkte für den Klassenerhalt in der JBLN zu erringen. Des Weiteren stehen die zentralen Endrunden am 11./12.4. in Calbe bzw. Magdeburg an, wofür ich allen viel Erfolg wünsche. Und damit abschließend, weil zwischen jetzt und dann von mir keine Berichte mehr kommen werden, Frohe Ostern!