[ein Bericht von Dirk]

Zuhause sind wir eine Macht! Letztmalig in dieser Saison spielten am 22. März alle Mannschaften in der Mampfe. Woran es auch immer liegen mag: auswärts sind wir meist erfolgreicher, in der Mampfe läuft es bei Punktspielen oft nicht gut

Da die I. Mannschaft Besetzungsprobleme hatte – vielleicht auch, weil man sich mittlerweile im Niemandsland der Tabelle befindet – , aber zumindest noch eine minimale Chance bestand, sich der Spitze zu nähern, sollte aus der II. jemand hochrutschen. Es fand sich niemand, und so übernahm der Mannschaftsleiter selbst diese Aufgabe und ließ seine dezimierte Mannschaft im Stich. Schließlich blieb aber auch die I. nur zu siebt, weil Johannes Thum nicht antreten konnte – insgesamt die kampflos abgegebenen Punkte 7 und 8 ! Und es sollte mich sehr wundern, wenn es nicht noch mehr werden…

Unser Gegner Chemie Bitterfeld, bereits dem Abstieg geweiht, trat in starker Besetzung an. Leider konnten wir dem Bitterfelder Spitzenbrett Falk Zschiesing keinen Kontrahenten stellen und lagen primär zurück. So selten er spielt, so kurz war an diesem Tag der Einsatz von Udo Sinner, der mit schwarz an Brett 7 zwei Bauern verlor, in der Folge nur einen zurückbekommen hätte und das Remisangebot seines Gegners sofort akzeptierte. Katja Hartung gewann an Brett 3 schon früh eine Figur und verwertete diesen Vorteil sicher zum Ausgleich. Es stand 1,5 : 1,5, als auch bei Werner  Romanow am 5. Brett ein baldiger Friedensschluß erwartet wurde. Doch bald darauf ein kurzer Aufschrei: Werner hatte in einem Endspiel mit zwei Türmen und ungleichfarbigen Läufern einen Turm eingestellt! Damit waren die vier Schwarzpartien beendet, und es stand 1,5 : 2,5 für Bitterfeld.

Vicky Eue an 6 hatte im Leichtfigurenendspiel lange Zeit einen Bauern weniger, aber ihre Figuren standen aktiv, und es ergaben sich später ungleichfarbige Läufer mit einem Mehrbauern. Es sah nach remis aus, jedoch gelang es Vicky irgendwie noch, ihren Gegner zu überlisten und den Kampf wieder auszugleichen – 2,5 : 2,5. Ronny Wiegand spielte am 8. Brett und büßte im Mittelspiel einen Bauern ein, der allerdings im Doppelturmendspiel schwer zu verwerten war. Ein Turm wurde getauscht, dann verlor Ronny einen zweiten Bauern und gab sogleich auf, sicher etwas zu früh, denn mit Aktivierung des Turms hat man in vielen dieser Endspiele noch Remischancen, allerdings litt er wohl auch unter Kopfschmerzen. Jedenfalls lagen wir zum dritten Mal hinten: 2,5 : 3,5.

Peter Burghardt hatte nach zähem Ringen in ein besseres Turmendspiel übergelenkt, das er schließlich gewinnen konnte – 3,5 : 3,5 ! Nun spielte nur noch Tanja Pflug an Brett 2. Sie verlor eine Qualität, erhielt aber positionelle Kompensation und letztlich eine Stellung, die man z.B. bei einem Stand von 3 : 4 noch hätte kneten können. Aber so stand es nicht, und mit dem 4 : 4 waren beide Mannschaften nicht unzufrieden, für Bitterfeld ein Achtungserfolg mit dem ersten Mannschaftspunkt in der Landesliga, auch ein Sieg war durchaus möglich.

Die I. Mannschaft hatte dem starken Oberhaus der Hettstedter zu wenig entgegenzusetzen und verlor 3 : 5 (s. Bericht von Max!).

Einmal mehr dramatisch ging es im Schachzimmer zu, wo die III. im entscheidenden Kampf um den Klassenerhalt gegen Sangerhausen II durch einen Eröffnungsunfall des bis dahin ungeschlagenen Michael Schellhardt rasch in Rückstand geriet. Nach relativ ungefährdeten Punkteteilungen von Marc Schreiber, Christina Radde, Andrea Jäschke und Detlef Gruschka, der zwischenzeitlich Gewinnchancen hatte, erzielte der 12-jährige Marius König am 8. Brett mit starkem Spiel den Ausgleich. Am Spitzenbrett hatte Thomas Hegenbarth nach einer hervorragend geführten Caro-Kann-Partie gegen einen nominell deutlich stärkeren Kontrahenten eine sehr vorteilhafte Stellung erreicht, die vielleicht zu gewinnen, jedoch mindestens remis war. Schade, daß die Partie noch verloren ging! André Schmerbach spielte als Letzter und versuchte noch alles, aber in seinem Turmendspiel gab es keine reelle Gewinnchance – somit wieder einmal 3,5 : 4,5, unsere III. Mannschaft kann einfach nicht gewinnen! Wahrscheinlich war dies der Abstieg, denn selbst bei einem Sieg gegen Naumburg II in der letzten Runde müßten wir auf Schrittmacherdienste hoffen, um noch den vorletzten Platz zu erreichen.

Beinahe sensationell der erste Sieg der IV. Mannschaft, auch wenn Saalespringer III nicht in Bestbesetzung und mit mehreren Nachwuchsspielern antrat. Joker Ekki Kühn – Mannschaftsleiter der III. Mannschaft – und die 10-jährige Kira Polivets gewannen ihre Partien, Bastian Matern remisierte, Carsten Suhl und Mohamad Ghriwati mußten Niederlagen einstecken. Beim Stand von 2,5 : 2,5 erkämpfte Momir Kovanović in einem zähen Endspiel mit Turm und zwei Bauern gegen Springer und Läufer den Sieg. Nun könnte der paradoxe Fall eintreten, daß die IV. sich noch hält und die III. absteigt, so daß beide in der nächsten Saison in der Bezirksliga spielen würden. Am Abend des 12. April wissen wir’s.

Gestattet und verzeiht mir zum Abschluß noch einige polemische Zeilen. Manche bezeichnen es als blanken Zynismus, aber diese Einschätzung ist natürlich maßlos übertrieben. Jedenfalls macht es seit Jahren zunehmend Spaß im Verein. Alle ziehen mit, viele übernehmen bereitwillig Aufgaben, Nachrichten und Mitteilungen werden aufmerksam gelesen, die Termine hat jeder im Kalender und hält sie sich weitgehend frei. Bei soviel Entgegenkommen haben die Mannschaftsleiter leichtes Spiel. Der Zusammenhalt ist grandios, das Vereinsleben beispielgebend. Kurzum – ich kann mir keinen anderen (besseren) Verein vorstellen!