SV Motor Zeitz vs. SV Merseburg
[von Simon]
Wie es die letzten paar Jahre bereits zur Tradition geworden war, so hieß es auch diesmal ab nach Magdeburg zur zentralen Doppelendrunde. Aufgrund vieler familiärer, beruflicher und gesundheitlicher Umstände begab es sich, dass wir am Samstag dazu gezwungen waren, mit einer höchst ungewöhnlichen Besetzung gegen meinen „Zweitverein“ SV Motor Zeitz anzutreten. Unter anderem verstärkten uns Peter Burghardt und Dirk Wildenrath, welche eigentlich in der zweiten Mannschaft heimisch sind und sich trotz ihrer eigenen Zentralrunde am Folgetag dazu bereit erklärten, die Erste aufzufüllen. Da man, wenn auch sehr unwahrscheinlich, trotzdem noch hätte absteigen können, wollte man wenigstens mit voller Truppe auftauchen.
Ich persönlich bekam es am ersten Brett mit Daniel Ahmed zu tun, gegen den ich in der Vergangenheit immer recht gut wegkam, obwohl er nominell der klar bessere Spieler ist. Nach einem beiderseits misshandelten Najdorf-Sizilianer schien ich allmählich in Vorteil zu geraten und gelangte in folgende Stellung:
Donath – Ahmed
In dieser fasste ich jedoch mit Dh3 den falschen Plan. Nach der Antwort Tg7 spielte ich zu allem Überfluss auch noch Dh6, was einen Konter von Schwarz zuließ, von dem ich mich nicht mehr erholte. (Lösung am Ende)
An Brett 2 kam es zur Begegnung zwischen dem Zeitzer Manuel Pietzsch und unserem Lennard Hoffmann. Letzterer stand um Zug 40 klar auf Gewinn, man ahnte jedoch schon Böses, als man auf die Restbedenkzeiten beider Kontrahenten schielte. Noch eine Stunde später hatte Manuel nur noch ungefähr drei Minuten auf der Uhr und Lennard lebte von den 30 Sekunden Inkrement pro Zug. Beide waren folglich die Letzten, die noch spielten. Schlussendlich wurde sich nach ein paar Ungenauigkeiten auf Remis geeinigt.
Hoffmann L. – Pietzsch
Hier gab Weiß mit dem Pendel Dc4-Dc1 Dauerschach. Einige Kiebitze hatten vermutet, dass man mit Kf3 nebst Tg7 noch hätte weiterspielen können, aber mit wenigen Sekunden auf der Uhr und bei bereits entschiedenem Mannschaftskampf ist eine Punkteteilung durchaus verständlich.
Unsere Frauen waren natürlich auch wieder mit von der Partie, da wir ohne sie wahrscheinlich nur selten acht Bretter voll bekommen würden. Diesmal schickten wir an Brett 3 Valeriia Safonova und an Brett 5 Mariana Korniichyk ins Rennen. Allerdings saß Erstere Altmeister Heinz Schultheis gegenüber, der schnell zwei Bauern erobern konnte und bei heterogenen Rochaden mächtig Druck gegen den weißen Monarchen ausübte. Valeriia gelang es zwar eine Qualität zu ergattern, musste sich dann aber doch der schwarzen Infanterie ergeben.
Mariana hingegen zog ihren üblichen Stiefel durch. Sie gewann in der Eröffnung gegen Frank Wilke sowohl zeitlich als auch stellungstechnisch Oberwasser. Diese Initiative hätte dann aber eigentlich bei genauem Spiel trotzdem ins Remis münden müssen. Der gegnerische Mannschaftsleiter patzte allerdings in einem unscheinbaren jedoch komplexen Turmendspiel, was Mariana in ihrer üblich lässigen Art abtrug.
Zu unseren Wahlleipzigern gehören aber zwei. Auch Maximilian Schulz kam am vorletzten Brett gegen Bert Riedel zum Einsatz. Es schien lange Zeit für unseren Spieler gut auszusehen. Weiß hatte zwar das Läuferpaar, welches in Zeitz ja geradezu hofiert wird, dieses verweilte allerdings eher passiv auf c1 und c2. In der Folge lehnte Ikarus das weiße Friedensangebot ab, flog aber damit scheinbar zu nah an die Sonne, als er wenige Züge später einen Springer einstellte. Nun waren die weißen Kleriker doppelt so oft vertreten wie ihr gegnerisches Pendant, weshalb uns alsbald der Punkt abhanden ging.
An Brett 7 ging es derweil auch heiß her. Dort traf Matthias Weber auf Tobias Kissmann, welcher kurze Zeit vorher beim Grenke Open sehr gut performte. Es ergab sich relativ schnell eine wild-romantische Stellung, die für einen der beiden Spieler tödlich enden musste. Leider verlief auch diese Partie zu Gunsten unserer Gegner aus dem Burgenlandkreis, da Matzel in folgender Stellung eine entscheidende Ressource für sich übersah. (Lösung am Ende)
Weber – Kissmann T.
Danach schlug der schwarze Königsangriff durch, ein weiterer herber Rückschlag für die Merseburger.
Unsere Legionäre aus der Zweiten schlugen sich hingegen äußerst wacker. An Brett 4 traf Dirk Wildenrath auf den diese Saison leider etwas unglücklichen Marcel Greim. Dirk spielte sein geliebtes Königsindisch und stellte sich zunächst sicher hin, preschte dann aber mit seinen Bauern energisch vor. Plötzlich öffneten sich im Zentrum und am Damenflügel Linien und Diagonalen, was das Spiel verschärfte. In der Folge errang Schwarz das Läuferpaar, was so omnipotent wurde, dass kurze Zeit später ein Fußsoldat auf b2 endete und Weiß sich zu einem Opfer gezwungen sah. Selbst dieses verschaffte aber nicht die erhoffte Erlösung, sodass der Anzugsspieler mittelbar danach mit seinem eigenen Zug aufgab. Lustigerweise wurde die Resignation für bestimmt 15 Sekunden nicht bemerkt, da Dirk bereits konzentriert aufs Brett starrte, während er daran überlegte, wie er seinem Gegner schnellstmöglich den Garaus machen könnte.
Unser Jugendverantwortlicher Peter Burghardt traf am achten Brett auf sein Zeitzer Gegenstück Thomas Richter. Beide setzen sich normalerweise gemeinsam energisch für unsere Nachwuchs-Spielgemeinschaften ein, aber weil Zeitz noch um den Klassenerhalt rang, wurde sich hier nicht zurückgehalten. Peter wurde in der Eröffnung seiner Favoritenrolle gerecht und verpasste Weiß einen schwarzfeldrigen Großbauern. Die Stellung war somit für den Nachziehenden deutlich angenehmer zu spielen, doch Thomas, welcher für seine Zähigkeit berühmt-berüchtigt ist, gab nicht nach. Im Verlaufe des Mittelspiels wurden dann nach und nach Figuren abgetauscht, was dem Spieler mit weniger Raum natürlich zugutekam. Im Endspiel war dann trotz leicht besserer Stellung nichts mehr zu holen, worauf kurze Zeit später die Friedenspfeife geraucht wurde.
Insgesamt wurden wir also 3 zu 5 besiegt, was bei Zeitz im Endeffekt den Abstieg verhinderte.
Lösungen:
- Sg8 nebst Lg5 gewinnt mindestens eine Qualität
- Lc1 fesselt den Springer auf f4 an die Dame und führt im Weitern zu deutlichem Vorteil
Schlussendlich haben wir uns wieder in mehreren Partien selbst ein Bein gestellt. Dieses kollektive Versagen ist leider nicht unüblich bei unserer Ersten. Wir hoffen natürlich auf baldige Besserung! Mit diesen Worten gebe ich weiter an Ikarus Max.
SV Merseburg vs Naumburger SV 1951
[von Max]
… für den es am Sonntag mit dem Team Übernachtung vom Appartement zur nächsten Bäckerei und anschließend zum Turniersaal ging. Parallel dazu reiste die frische Kavallerie an, um die abgereiste Hälfte der Samstagsaufstellung zu ersetzen. Mein expliziter Dank gebührt den Altmeistern Dirk & Peter, die nach der Nachmittagsrunde am Samstag noch einen Umweg über Leipzig auf sich nahmen um Valeriia & Lennard abzusetzen, nur um am Sonntag früh sogleich wieder gen Calbe zur nächsten zentralen Endrunde aufzubrechen. Solch ein Engagement verdient meiner Meinung nach höchste Anerkennung! Die Alternative wären freie Bretter in der Verbandsliga gewesen…
Daher trat den bereits feststehenden Aufsteigern aus Naumburg eine andere, ebenfalls schlagfertige Merseburger Truppe entgegen. Zumindest nominell waren beide Mannschaften in etwa auf Augenhöhe & starteten pünktlich in die finale Runde.
An Brett 8 baute sich Matzel gegen Steffen zunächst ruhig auf. Anschließend war er dann wohl zu früh auf der Suche nach mehr und hätte eigentlich einen Bauern abgeben müssen. Steffen war jedoch friedlich gestimmt (0,5:0,5).
Mariana konnte die schwarze Struktur am Königsflügel frühzeitig schwächen und zusätzlich einen starken Springer auf e6 postieren. Anschließend wurde sie bei beiderseitiger langer Rochade am Damenflügel aktiv. Leider waren die verbliebenden Steine begrenzt, sodass letztendlich die Durchschlagskraft fehlte. Mit dem Abtausch der letzten Türme einigte man sich auch hier auf Remis (1:1).
Unser ML durfte gegenüber dem prozentualen Naumburger Topscorer Platz nehmen. Dieser war bei heterogenen Rochaden wohl auch den erforderlichen Tick schneller. Das Ende war taktisch durchaus sehenswert, verlief aber leider nicht zu unseren Gunsten (1:2 aus Merseburger Sicht).
Bei Dustin entstand früh eine sehr interessant wirkende Stellung, die ich meiner Meinung nach so ähnlich schon einmal beim Schachfreund Fritsch gesehen hatte. Letzterer wurde früh am Königsflügel aktiv & gewann einen Bauern. Diesen Vorteil verwertete Naumburg dann auch sehr sicher (1:3).
Das gestrige Spitzenbrett Simon nahm dieses Mal auf dem dritten Sitz Platz. Er musste früh bei weniger Raum manövrieren und eine Offensive am Königsflügel abwehren. In dieser Position:
Huth V. – Donath
…hätte Schwarz mit dem besten Zug (siehe Ende des Berichts) großen Vorteil erlangen können. Der zweitbeste Zug hätte in einer perfekten Welt zumindest Ausgleich erwirkt. Die Partie wurde jedoch anders fortgeführt, sodass Merseburg schon zu jenem Zeitpunkt nicht mehr gewinnen konnte (1:4).
Diese Nachricht wurde mich auch zügig übermittelt. Im Gegensatz zum Vortag verblieb ich lange im Buch, wurde dann von der ersten Abweichung mit mir unerwartetem Ansatz doch etwas überrascht. Ich wählte prompt einen ungünstigen Plan, der glücklicherweise nicht bestraft wurde. Dafür konnte ich ungenaues weißes Spiel für die Aktivierung meiner Figuren nutzen und anschließend die Stellung öffnen. Hierbei ließ ich die erste Chance zu großem Vorteil aus, konsolidierte meine Position aber zunehmend und eroberte die offenen Linien. Darauf aufbauend konnte ich einen Läufer zunächst fesseln und kurze Zeit später auch gewinnen (2:4).
Thomas erreichte eine moderne Stellung und eroberte die offene C-Linie. Dafür bekam Schwarz Intiative am Königsflügel. Nach einem großen Abtausch blieb ein Endspiel mit Damen & gleichfarbigen Läufern. Hier:
Grieger T. – Gering
… bot sich Weiß die letzte Chance außerhalb der Remisbreite zu bleiben. Mit dem in der Partie gespielten Zug reichte es jedoch nicht für den vollen (Mannschafts-)Punkt (2,5:4,5).
Am Spitzenbrett hieß die Paarung mal wieder Julius vs Tom. Letzterer genehmigte sich ausgangs der Eröffnung Raum am Damenflügel und behielt diesen dann auch. Anschließend besetzte Schwarz die einzige offene Linie. In der Folge gewann Tom zunächst das Läuferpaar für einen Turm, dann 2 Bauern und schlussendlich die Partie (3,5:4,5).
Merseburg beendete die Saison 2025/26 also mit einer langen Rochade gegen den Staffelsieger und beide Aufsteiger aus der Landesliga B. Platz 6 in der Endtabelle kann aus meiner Sicht schlecht unser Anspruch sein.
Wie bereits beschrieben steigen die Naumburger auf. In die Landesligen steigen Burg und Gräfenhainichen ab – letztere trotz 7 MP! Aus den Landesligen haben sich USC Magdeburg II und Saalespringer II den Aufstieg erspielt. Die Hallenser setzten sich hierbei erst in der Drittwertung mit einem Pünktchen mehr in der Berliner Wertung gegen den 1. SC Anhalt durch – der direkte Vergleich endete 4:4. Aus der 2. Oberliga Ost A steigt Rochade Magdeburg in die Verbandsliga ab.
Der Schachverein Merseburg bedankt sich bei allen Lesern! Vielleicht sieht man sich beim Merseburger Team Rapid am 09.05.2026!
- Simon: … Dg5! deckt den Se5, bedroht nun den Sc3 und droht in mehreren Varianten entscheidend Lxg4 (Sxf3 mit Ausgleich bei bestem Spiel)
- Thomas: Lg5! nebst Df6+ oder De7+ und Bauerngewinn auf g6 oder d6.